Am Straßenrand zwischen Kappadokien und Adıyaman

Trampen in der Türkei – Nereye sürüyorsun?


25. November 2014
Türkei
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Eine dichte, weiße Wolke kondensiert über meiner Nasenspitze, dehnt sich aus und verflüchtigt sich. Immer wieder, sobald ich ausatme. Es ist kalt. Kappadokien ist über Nacht eingefroren. Ich brauche eine Weile, um mich aus meinem Schlafsack und den drei darüber liegenden Wolldecken zu schälen. Nur mit einem T-Shirt und Boxershorts bekleidet schlurfe ich durch den wohl kältesten Schlafsaal der Türkei. An den Fenstern wachsen bereits kleine Eisblumen. Dahinter glitzern Göremes vom Schnee bedeckte Tuffsteinhöhlen.

Wenig später stehen wir am Straßenrand. Eingepackt in alle warmen Klamotten, die unsere Rucksäcke hergeben, zittern wir vor uns hin. Es hilft nichts. Für eine derartige Kälte sind wir nicht ausgerüstet. Am schlimmsten erwischt es meine rechte Hand, deren ausgestreckter Daumen dem Frost schutzlos ausgeliefert ist. Doch es dauert, bis wir genug Mitleid erregen und sich ein Autofahrer unserer erbarmt.

Hitchhiking2IndiaEin betagtes Paar winkt uns freundlich in ihr Gefährt, das wie sie mit dem Charme des Alters ausgestattet ist. Gemeinsam juckeln wir langsam bis nach Nevşehir, wo wir uns an einer roten Ampel verabschieden. Noch bevor wir erneut den Daumen ausstrecken, hupt uns Erhan von der Seite an. Er ist auf dem Weg nach Niǧde – genau in unsere Richtung. Die nächsten knapp 100 Kilometer sind kurzweilig. Mit dem fülligen Strommastenkletterer verfallen wir in einen Plausch über die Schönheiten der Türkei. Erhan hat jede Menge Tipps und Vorschläge, wie wir unsere verbleibende Zeit in seiner Heimat noch gestalten könnten. Urfa und Mardin – das türkische Kurdistan und die Schwarzmeerküste legt er uns ans Herz. Dann sprechen wir über Fußball, vornehmlich Beşiktaş, und die letzte Weltmeisterschaft mit dem versöhnlichen Endergebnis.

Hitchhiking2Indiatrampen in der TürkeiKurz vor Niǧde verlassen wir Erhan etwas schwermütig, haben wir doch für ein paar Minuten einen neuen Freund gefunden. Mittlerweile ist es nicht mehr ganz so bitterkalt, wie noch am frühen Morgen, doch ein unangenehmer Wind weht uns hier, mitten auf der Fernstraße, entgegen. Wir warten wohl etwa eine halbe Stunde – für türkische Verhältnisse eine Ewigkeit – bis wir ins nächste Auto einsteigen. Der Fahrer hat es nicht weit, bringt uns aber immerhin einige Kilometer hinter die Stadtgrenze von Niǧde, wo er uns zu einem Çay in einem kleinen Straßenlokal einlädt. Drinnen sitzen ausschließlich Rentner. Männer mit grauen Schnurrbärten, schiefen Schiebermützen und gepflegten Sakkos. Wir ziehen sofort alle Blicke auf uns. Als wir uns setzen ist es für einen kurzen Moment absolut still und auch als die Gespräche an den Nachbartischen weitergehen, bleiben wir im Mittelpunkt der Beobachtungen.

Hitchhiking2IndiaAls wir das Lokal wieder verlassen, haben wir noch nicht einmal die Straße überquert, als die nächste Mitfahrgelegenheit schon auf uns wartet. Drei Männer in einem Van. Vor allem der Fahrer ist sehr daran interessiert, uns ein Stück weit mitzunehmen. Er strahlt über das ganze Gesicht, beglückt uns mit einem Redeschwall, von dem wir kaum ein Wort verstehen, verstaut unsere Rucksäcke im Kofferraum und bittet uns auf der Rückbank Platz zu nehmen. Dort sitzt bereits einer seiner Begleiter, der jedoch nur mäßig von uns überzeugt zu sein scheint. Er mustert mich mit misstrauischem Blick und lässt mich während der gesamten Fahrt nicht aus den Augen. Mein freundliches Nicken, als höflicher Gruß gedacht, vergrößert seine Skepsis offenbar nur noch. Wir wechseln nicht ein Wort.

Der Beifahrer ist zwar nicht ganz so misstrauisch, aber ähnlich wortkarg und so bleibt uns lediglich der Fahrer als Gesprächspartner übrig. Zwar fehlt uns eine gemeinsame Sprache, aber wir verstehen genug, um zu begreifen, dass wir in unterschiedliche Richtungen wollen. Doch kein Problem, versichert uns der Fahrer und so rollen wir über die Fernstraße hinein in eine dichte Nebelbank.

Hitchhiking2IndiaWir steigen bergauf. Schnee türmt sich meterhoch am Straßenrand. Die Sicht reicht grade einmal bis zum nächsten Begrenzungspfahl. Aus der milchig, weißen Wand taucht plötzlich eine Abzweigung auf, in die wir unverhofft einbiegen. Ich bitte noch inständig, dass wir hier nicht aussteigen müssen, da hält der Van auch schon mitten auf der Fahrbahn. Als wir aussteigen, ist es empfindlich kalt, die Fahrbahn vereist und alles um uns herum in einen weiß-grauen Schleier gehüllt. Doch es nützt nichts. Wir winken den Dreien noch einmal zum Abschied und machen uns auf den Weg zurück an die Straße, von der wir gerade abgebogen sind. Eine riesige Schneewehe versperrt uns den Weg und zwingt uns auf die Fahrbahn. Genau in diesem Moment löst sich ein PKW ohne Beleuchtung aus der dichten Masse des Nebels und rast an uns vorbei. Alles geht so schnell, dass wir weder Zeit haben zur Seite zu springen, noch der Fahrer durch hupen auf sich aufmerksam machen kann. Wir verfehlen uns um wenige Zentimeter. Doch als wir uns nach dem Fahrzeug umschauen, ist es schon wieder im Nebel verschwunden.

Dann endlich erreichen wir wieder die Straße, die uns weiter nach Adıyaman führt. Das gerade Erlebte steckt uns noch immer in den Knochen. Zum ersten Mal fühlen wir uns am Straßenrand nicht sicher. Was, wenn der nächste PKW ähnlich rücksichtslos durch die undurchdringliche Nebelwand rast und uns diesmal wirklich erwischt?

Doch hinter dem Steuer des nächsten Fahrzeugs sitzt kein rasender Bleifuß. Stattdessen tuckert ein Transporter langsam auf uns zu. Auf seiner Ladefläche stapeln sich Kartoffelsäcke und Orangenkisten meterhoch. Ganz oben auf diesen Lebensmittelbergen landen unsere Rucksäcke und zu viert quetschen wir uns in die kleine Fahrerkabine. Mit seinen roten Wangen und dem glasigen Blick macht der Fahrer nicht gerade den nüchternsten Eindruck, aber sein Fahrstil ist einigermaßen sicher und die Aussicht bald aus diesem unheilvollen Nebel heraus zu sein, ist uns Motivation genug.

Zusammen fahren wir bis  Ulukışla, essen gemeinsam Kebab und stehen gegen 14 Uhr erneut an der Straße. Bis nach Adıyaman ist es noch weit und die Wahrscheinlichkeit noch am gleichen Tag dort anzukommen schwindet mit jeder Minute dramatisch.

Hitchhiking2India Hitchhiking2IndiaMit derlei Gedanken warten wir mit ausgestreckten Daumen, als ein weißer, sportlicher PKW kurz hinter uns mit quietschenden Reifen zur Vollbremsung ansetzt. Jede Menge Schotter spritzt durch die Gegend. Aus den Fenstern winken uns gleich mehrere Hände heran. Im Inneren sitzen vier Männer, zwei Jugendliche auf der Rückbank, der Fahrer, etwa Mitte 20 und ein etwa 40-jähriger Beifahrer. Vor allem die beiden Halbstarken auf der Rückbank sind völlig aufgeregt. Vor lauter hysterischem Lachen und Glucksen bekommen sie kaum ein Wort heraus.

Nach kurzem Zögern verfrachten wir jedoch unsere Rucksäcke im Kofferraum und nehmen zu viert auf der Rückbank Platz. Schon nach wenigen Metern gemeinsamer Fahrt prasselt ein türkischer Redeschwall auf uns ein, der für die nächsten zwei Stunden nicht mehr enden soll. Euphorisch stellen unsere Nachbarn auf der Rückbank immer wieder die gleichen Fragen. Dass wir aufgrund von Sprachproblemen keine davon beantworten können, quittieren sie mit wildem, lautem Gelächter.

Dazu dröhnt härtester Tempo-Techno aus den Boxen und wir rasen mit durchschnittlich 180 km/h über die Schnellstraße. Dass hier im Auto irgendwelche Drogenexperimente schief gelaufen sind, steht für uns mittlerweile außer Frage. Auf dem Höhepunkt dieser denkwürdigen Fahrt überschreiten wir die 200 km/h Marke, was die beiden Rücksitzpiloten neben uns jauchzend als Handyvideo festhalten. Potenzielle Suchbegriffe bei YouTube: Türkei, 200, LSD, Rausch, Wahnsinn.

Für die 140 Kilometer lange Strecke bis nach Adana brauchen wir nicht einmal eine Stunde. Auf einer Raststätte kurz vor der Stadt endet unsere Fahrt.

Hitchhiking2IndiaBerauscht von der glücklichen Fügung noch am Leben zu sein, verlassen wir das Auto, verabschieden uns von der aufgedrehten Gesellschaft und warten erneut. Diesmal jedoch mit weniger Glück als zuvor. Hielt bisher fast jedes erste Auto, dessen Fahrer uns am Straßenrand erblickte, so warten wir nun unendlich lange Minuten. Auf der Raststätte befinden sich nicht einmal eine Handvoll Fahrzeuge und so beschließen wir unsere Daumen direkt an der Schnellstraße dem Verkehr entgegenzustrecken. Doch hier schießen die PKWs nur so dahin und Schwerlaster donnern mit dumpfem Brummen an uns vorbei.

Lediglich ein LKW parkt auf dem Seitenstreifen, wenige 100 Meter hinter der Raststätte. Daneben sitzt ein älterer, rundlicher Herr mit grauem Haarkranz auf der Leitplanke und streckt seine Glieder.

Er ist unsere einzige Chance und wir beschließen sie zu nutzen. Als wir den LKW erreichen und nach dem Ziel des Fahrers fragen, haben wir Glück. Wir wollen in dieselbe Richtung. Doch der Fahrer zweifelt, ist sich nicht sicher, ob er uns wirklich mitnehmen soll. Ganze 10 Minuten legen wir uns ins Zeug. Mit Händen, Füßen und unserer Türkeikarte, auf der wir immer wieder zeigen, wohin wir wollen, leisten wir all unsere Überredungskunst – dann willigt der Fahrer ein.

Die nächsten zwei Stunden verbringen wir mit einem Smalltalk aus Türkisch, Englisch und Deutsch, in dem niemand so richtig versteht, was der andere eigentlich will. So überbrücken wir die Dämmerung und fahren hinein in die Nacht.

Hitchhiking2IndiaIrgendwann biegen wir reichlich unerwartet von der Straße ab und halten vor einem stockdunklen Lagergebäude. Soweit wir den Fahrer des LKWs verstehen, muss er hier seine Papiere checken oder tanken oder sonst irgendetwas. Wir dürfen auf jeden Fall nicht dabei sein und verlassen etwas irritiert die Fahrerkabine. Dennoch bedeutet uns der Fahrer zu warten.

Der LKW verschwindet in der Dunkelheit und wir stehen irgendwo am Straßenrand neben einer Tankstelle, die zwar in Betrieb ist, aber keinerlei Beleuchtung aufweist. Verloren im Dunkeln. Hier zu warten, scheint uns nicht richtig und so setzen wir unseren Weg zu Fuß fort. Doch noch bevor wir uns ernsthaft Sorgen machen können, wie wir dieser Misere entkommen, sitzen wir auch schon neben dem Fahrer eines Kleintransporters, der uns zur nächstgrößeren und vor allem beleuchteten Tankstelle bringt.

Hitchhiking2IndiaDort halten wir nicht einmal 30 Sekunden unser Tramper-Schild dem zäh fließenden Feierabendverkehr entgegen, da empfängt uns bereits ein aufgeregter Herr. Er sieht es als absolut verrückt und verantwortungslos an, mit einem Schild am Straßenrand zu stehen. So macht er uns zu seiner Mission und hält eigenhändig jeden Stadtbus, der an uns vorbei fährt. Aufgeregt gestikulierend wirbelt er um uns herum und erregt damit mehr Aufmerksamkeit, als uns eigentlich lieb ist. Obwohl wir dem Mann mehrfach deutlich mitteilen, dass wir seine Hilfe weder benötigen noch wollen, hört er nicht auf, uns zu belehren. Was wir täten sei viel zu gefährlich und wir müssten einen Bus nehmen, um schnellstmöglich woanders hinzukommen. Was wir möchten oder wollen ist ihm schlichtweg egal.

Es ist das Personal der Tankstelle, das uns endlich aus den Fängen des Mannes rettet. Sie laden uns zu Çay und Pistazien in ihr Wartehäuschen ein und ziehen uns so aus dem Aktionsradius des Nervsacks.

Nachdem wir sicher sind, dass wir nicht weiter belästigt werden, stehen wir wieder am Straßenrand. Doch befinden wir uns hier am Ortseingang zu Osmaniye, einer Stadt mit knapp einer halben Million Einwohner. Jeder will nach Hause, niemand nach Adıyaman. So harren wir aus und hoffen, unser Zelt nicht hier aufschlagen zu müssen.

Eine Stunde vergeht, bevor das dröhnende Hupen eines 40-Tonners unsere Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Hinter dem Steuer sitzt ein alter Bekannter. Es ist derselbe Fahrer, der uns kurz zuvor noch in der Dunkelheit vor der Lagerhalle zurückgelassen hatte – diesmal jedoch sichtlich schlecht gelaunt. Nun gestikuliert er, mahnt uns zur Eile und grummelt ein paar türkische Wortfetzen in sich hinein, als wir unsere Rucksäcke wieder in die Fahrerkabine wuchten.

Irgendwie scheint die Atmosphäre schlecht, obwohl wir uns keiner Schuld bewusst sind. Der Fahrer reagiert wortkarg auf unsere Fragen und Erklärungsversuche und so fahren wir bald schweigend über die Schnellstraße, bis wir wieder völlig überraschend halten. Diesmal jedoch unter einer Autobahnbrücke. Bewaffnet mit einer schweren Taschenlampe, die er drohend von der einen in die andere Hand wuchtet, verlangt der Fahrer plötzlich Geld von uns.

Unsere Reaktion ist instinktiv. Wir versuchen über die Beifahrertür den LKW zu verlassen. Doch dieser parkt so nah an der Leitplanke, dass wir die Tür nur einen Spalt breit öffnen können. Kaum ist es einem von uns gelungen den LKW zu verlassen, da hören wir auch schon Stimmen näher kommen. Etwa drei Männer eilen die Böschung der Autobahnbrücke hinunter, genau auf den LKW zu. Der Fahrer und die Männer rufen sich gegenseitig etwas zu, scheinen diesen Hinterhalt geplant zu haben. Doch ganz wohl ist ihnen offensichtlich nicht. Offenbar hatte keiner von ihnen mit unserem Widerstand gerechnet.

Während die Männer in ihrer Aktion verharren, sind wir panisch. Wie verhält man sich, wenn man gerade unter einer Autobahnbrücke im Dunkeln ausgeraubt wird? Unser Rettungsplan besteht aus zwei Phasen, die zeitgleich ablaufen. Phase eins besteht aus wilden Gesten und lautem Geschrei am Fahrbahnrand. Andere Autofahrer sollen schnellstmöglich merken, dass hier etwas nicht in Ordnung ist. Außerdem verunsichert dieses Gehabe den Fahrer des LKWs, der mittlerweile auch auf der Fahrbahn steht, aber sich nicht traut näher zu kommen.

Phase zwei beinhaltet die Rettung unserer Rucksäcke aus dem LKW. Während der Fahrer, irritiert vom Geschrei und der Gestik, weder vor noch zurück weiß, ist unser Hab und Gut lediglich durch die Leitplanke von den drei weiteren Männern getrennt. Doch auch sie trauen sich nicht handgreiflich zu werden und schreien mir lediglich „Para, Para“ – „Geld, Geld“ ins Gesicht.

Das ganze Geschehen dauert nur ein paar Minuten, dann stehen wir wieder zu zweit, vereint mit unseren Rücksäcken, im Lichtkegel des LKWs am Straßenrand. Der Fahrer, der uns eben noch mit seiner Taschenlampe bedrohte, kapituliert. So schnell wie er unter der Autobahnbrücke hielt, so schnell macht er sich auch wieder auf den Weg. Auch die drei Männer schleichen zurück. Wir hören sie lediglich ein letztes Mal von der Autobahnbrücke auf uns herab schimpfen, dann sind auch sie verschwunden.

Wir stehen im Dunkeln auf dem Standstreifen einer Schnellstraße und langsam weicht das Adrenalin aus unseren Körpern. Wir zittern, unsere Knie sind weich – was zum Teufel war das gerade?

Ein paar Minuten stehen wir in der Dunkelheit und winken hektisch in den Verkehr, als erneut ein LKW hält. Diesmal haben wir erhebliche Skrupel einzusteigen. Wer ist der Kerl hinter dem Steuer? Kennt er den Fahrer, der uns gerade ausrauben wollte? Hält er, weil er bereits über uns Bescheid weiß und ebenfalls versuchen will uns auszurauben?

Wir steigen ein – nicht, weil wir uns sicher fühlen, sondern weil wir mitten in der Nacht irgendwo auf der Schnellstraße notgelandet sind. Das Innere des LKW ist gemütlich. Unsere Schuhe müssen draußen bleiben. Der Fahrer lächelt uns freundlich zu, ist aber erstaunlich wenig überrascht darüber, uns zu so ungewöhnlicher Zeit an einem so ungewöhnlichen Ort aufzusammeln. Irgendwann fassen wir genug Mut und sprechen über das gerade Erlebte. Doch was uns so schockiert, lasst den Fahrer ganz gelassen. „So etwas passiert“, ist seine lapidare Antwort. „Schlechte Menschen gibt es überall.“

Hitchhiking2IndiaWir fahren etwa eine Stunde zusammen, bis wir uns an einer Tankstelle in Nurdağı wieder voneinander verabschieden. Hier gabelt sich die Straße und während unser Weggefährte weiter nach Gaziantep fährt, suchen wir eine Mitfahrgelegenheit nach Adıyaman. Die Tankstelle ist hell beleuchtet und in Anbetracht der Uhrzeit, es ist mittlerweile 21.30 Uhr, herrscht noch recht viel Betrieb. Dennoch: Trampen bei Nacht ist stets eine schwierige Angelegenheit, auch bei hell erleuchteten Tankstellen. Niemand nimmt uns mit.

Stattdessen freunden wir uns mit den sieben Servicemitarbeitern an, die uns schon bald mit Çay und Keksen Willkommen heißen. Ihnen verdanken wir auch unsere letzte Mitfahrgelegenheit. Nach etwa einer Stunde hält ein PKW, dessen Fahrer von der Tankstellenbelegschaft freundschaftlich begrüßt wird. Wer auch immer der Neuankömmling ist, schnell wird uns klar gemacht, dass er nach Adıyaman fährt.

Allerdings verspürt der Fahrer keine besonders große Lust, dort heute noch anzukommen. Unsere gemeinsamen Freunde von der Tankstelle überreden den Mann jedoch so lange, bis er schließlich einwilligt uns in dieser Nacht noch zu fahren. Die letzten zwei Stunden der Reise verbringen wir zu dritt im PKW und kämpfen gegen die Müdigkeit. Kurz nach Mitternacht erreichen wir endlich Adıyaman. Ereignisreiche 14 Stunden trampen liegen hinter uns, als wir auf der gemütlichen Couch unseres Gastgebers Murat erschöpft in einen tiefen Schlaf fallen.

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Und jetzt du! Schreib uns deine Geschichte.

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  • 17. April 2015

  • 30. April 2015

    Eigentlich sollte ich jetzt einen 100 Seiten langen Text für mein Wirtschaftsgeographie-Seminar am Montag lesen. Eigentlich. Denn dann bin ich durch Twitter auf euren tollen Blog gestoßen. Ich liebe außergewöhnliche Dinge, ich liebe die Türkei, ich liebe Südamerika. Das alles bringt ihr mir auf den Bildschirm. Jetzt habe ich lieber den Text hier über die netten und hilfsbereiten Menschen auf dem nahöstlichen Kontinent gelesen, als mich mit verschiedenen wirtschaftlichen Clustern auseinanderzusetzen. Danke für diese tollen Einblicke. Und danke dafür, dass ihr mir noch mehr Lust auf mein bevorstehendes Auslandssemester in Istanbul macht. 🙂

    Liebe Grüße,
    Iza vom Reiseblog http://unsettled-destination.de/


    • nuestra america
      30. April 2015

      Hi Iza,

      wir freuen uns, dass dir unser Blog gefällt und wir dir noch mehr Lust auf die Türkei gemacht haben. Das ist wohl das größte Kompliment für uns. Ärgere dich nicht darüber, dass du Reiseberichte liest anstatt Texte über wirtschaftliche Cluster. Uns würde es wohl ähnlich gehen. 😉