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Ephesus und Pergamon

Alte Steine und verlorene Tempel


15. Oktober 2014
Türkei
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Ephesus war, vor langer langer Zeit (300 v. Chr.), eine der bedeutendsten griechischen Städte Kleinasiens. Später (150 v. Chr.), von den Römern eingesackt, galt sie als eine der größten Städte des Römischen Reiches (250.000 Einwohner).

Die Stadt war so wichtig, dass die Türken ein süffiges Bier danach benannten (Efes) und die Briten im 19. Jahrhundert alles was sie tragen konnten ins British Museum nach London schleppten (Die Österreicher schleppten lieber ins Kunsthistorische Museum nach Wien).

Auch Maria, die Mutter Jesus, soll nach dem Tod ihres Sohnes hier gelebt haben (mit noch so ein paar anderen Jungs aus der Bibel).

Von den über 2.000 antiken Stätten der Türkei ist Ephesus die bekannteste und die am besten erhaltene Ruine. Sie ist unumgänglicher Stopp einer jeden Türkei-Rundreise und auch die großen Kreuzfahrtschiffe lassen ihre Gäste in klimatisierten Bussen herkarren.

Eigentlich ist Ephesus Anlaufstelle für Touristen jeglicher Couleur. Doch vornehmlich asiatische Gruppen schieben sich fotografierend durch die antike Stätte.

Vor der beeindruckenden Celsus-Bibliothek (150 n. Chr.), der größten Bibliothek der Antike, kommen die Smartphone-Selfie-Stative zum Einsatz. Ganz asiatisch-sympathisch-verrückt werden hier die Hände mit ausgestreckten Peace-Fingern in die Höhe gerissen, gekonnt diverse Kung-Fu-Grimassen gezogen, süße Bärchen-Pausbäckchen imitiert, als mache man den ganzen Tag nichts anderes.

Im großen Theater von Ephesus fanden früher 24. 000 Menschen Platz. Heute sonnen sich halbnackte Touristen breitbeinig auf den obersten Rängen in der heißen Nachmittagssonne. Kann man ja auch schon mal machen. Ist ja schließlich eines der größten Theater der Antike.

Große Begeisterungsstürme natürlich bei den antiken öffentlichen Toiletten. Nebeneinander sitzen und kacken finden eben nicht nur Victoria und David Beckham schön.

Auch wer eine private Toilette sein Eigen nennen durfte, ließ es sich nicht nehmen, sein Geschäft auf der öffentlichen Toilette zu verrichten. Nirgends gibt es nun mal Klatsch und Tratsch so brühwarm aus erster Hand, wie beim gemeinsamen Toilettengang.

Man strömt weiter über die Kuretenstraße. Die Hauptstraße des alten Ephesus ist mit Marmorplatten gepflastert. Hier drehen die Touristen auch noch mal ordentlich durch.

Etwas abseits dann eines der sieben Weltwunder der Antike: Der Tempel der Artemis (350 v. Chr.). Von den zahllosen Marmorsäulen steht noch eine einzige etwas bedröppelt in der kargen Landschaft rum. Damit sie sich nicht ganz so einsam fühlt, nisten Vögel oben drauf. Wer mehr sehen möchte, frage bei den Briten in London nach.

Weniger touristisch, ein bisschen griechischer und nicht minder schön ist die antike hellenistische Stadt Pergamon. Hier, die Stadt ist datiert auf 300 v. Chr., soll das Pergament erfunden worden sein. Die meisten Sehenswürdigkeiten und Überreste von Tempeln findet man hoch über der heutigen türkischen Stadt Bergama, auf der Akropolis. Das römische Theater, 10.000 Menschen fassend, ist mitten in den Hang gebaut. Untypischerweise ist das Theater also nicht rund und breit, sondern reicht weit, steil und Respekt einflößend in die Tiefe.

Von der Bergkuppe aus hat man nicht nur einen fantastischen Blick über die kargen Brauntöne der Landschaft, man erkennt auch das wenige Kilometer entfernte Asklepieion, den Tempel des griechischen Gottes der Heilkunst Asklepios. Das kleine römische Theater, die ehemalige Prachtstraße, die zum Tempel führt, die wiederaufgebauten, unzähligen Säulen: all das hat man quasi für sich alleine.
Ohne Touristengruppen mit albernen, osmanischen Hüten, gestressten Gruppenreisenden, garstigen, weil aufgeregten Rentnern.

Bei weiteren Fragen steht das Pergamonmuseum in Berlin bestimmt gerne zur Verfügung.


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