Kulinarisches aus der Türkei

Die Döner-Affäre


12. März 2015
Türkei
Schreibe etwas

„Der Döner gehört zu Deutschland“

frei nach Ch. Wulff, Ex-Bundespräsident

Es ist ein offenes Geheimnis: Der Döner ist deutsches Kulturgut. Zwischen Ostsee und Zugspitze, zwischen Rhein und Oder – in jedem noch so kleinen Kaff der Bundesrepublik gibt es mindestens eine Dönerbude. Wer sich kulinarisch durch das Land bewegt, der kommt am Döner nicht vorbei.

Natürlich feiert sich das interkulturelle Berlin gerne als Geburtsort des Döners und Kreuzberg als seine Wiege. Der junge Mehmet Aygün, so heißt es, wacht eines Morgens hungrig auf und da er bereits spät dran ist, wirft er eilig ein paar gegrillte Fleischstücke und Salat in ein Fladenbrot, kippt noch etwas Soße aus Joghurt, Knoblauch und Gewürzen oben drauf und macht sich auf den Weg.

Was so unspektakulär beginnt, wird ein Siegeszug durch die urbane Fast Food Szene. Selbst das Haus in der Adalbertstraße in Kreuzberg in dem der allererste Döner eher zufällig zubereitet wird, ist mittlerweile eine kleine Berühmtheit. Der Döner und Berlin – eine Erfolgsgeschichte.

Als wir unseren Gastgebern in der Türkei heroisch vom ersten Döner erzählen, widmen sie uns jedoch ein süffisantes Lächeln. Der Döner in Berlin erfunden? Niemals! Und dann holen sie aus. Osman in Istanbul, Burak in Antalya, Tayfun in Izmir – sie alle belehren uns eines Besseren.

türkischer Döner

türkischer Döner

Wir bekommen gleich mehrere Lektionen in Döner- und Kebabkunde. Osman beginnt mit Kleinigkeiten, bringt den stolzen Sockel unserer Geschichte zunächst mit ein paar Schlägen ins Wanken.

Den Döner gibt es schon solange es Türken gibt, schmunzelt unser Freund. Das kann zwar niemand überprüfen, aber Döner ist seit jeher Bestandteil der türkischen Küche. Die bei uns übliche Bezeichnung „Döner Kebab“, so erzählt Tayfun, sei dagegen völliger Quatsch. Sie ergibt keinen Sinn. Döner und Kebab, das sind zwei unterschiedliche Zubereitungsarten, die nach türkischem Verständnis grundverschieden sind.

Der Döner ist ein aus Fleisch geformter Kegel auf einer Stange, die sich langsam an einer vertikalen Hitzequelle vorbeidreht. Das türkische Wort „dön“ bedeutet auch nichts anderes als „drehen“. Kebab hingegen sind Fleisch- und Hackfleischspieße, die horizontal über einer Glut gegrillt werden. Man bestellt also „Döner“ oder „Kebab“. Wer in der Türkei dagegen „Döner Kebab“ bestellt, bekommt vor allem irritierte Blicke.

Dönerrestaurant in Istanbul

Dönerrestaurant in Istanbul

Soweit die Theorie. Nachdem wir großspurig auftreten und pompös in die Schranken gewiesen werden, bleibt ein Praxistest unumgänglich.

Döner gehört vor allem in Istanbul zu den beliebtesten Straßensnacks. Eingequetscht zwischen zwei Weißbrothälften liegt jede Menge Fleisch, meist Hühnchen oder Lamm, und Salat. Fett tropft durch das Packpapier, beschmiert Finger und Handflächen – ein deftiger Snack, den wir uns am Liebsten am Ufer des Bosporus schmecken lassen. Dürüm Döner, der Döner Wrap, ist ebenso beliebt und ebenso fettig.

Doch dann entdecken wir Kebab und betreten eine kulinarisch völlig neue Welt. Kebab ist die Seele der türkischen Küche. Es ist nichts anderes als gegrilltes Fleisch – aber was so banal klingt, wird in Anatolien seit Generationen zur Perfektion gebracht.

Zu den beliebtesten und weit verbreiteten Varianten gehört Şiş Kebab. Grillspieße mit magerem Fleisch, das mehrere Stunden in Olivenöl, Milch, geriebenen Zwiebeln, Zimt, Pfeffer, Thymian und Minze mariniert wird. Anschließend werden die Spieße zusammen mit Tomaten und Paprika über Holzkohle gegrillt. Als Beilagen werden Reis, Bulgur, Salat, frische Kräuter und Fladenbrot serviert.

Şiş Kebab

Şiş Kebab

In Antalya führt uns Burak in die Kunst des Şiş Kebabs ein. Wir ordern mehrere Lammfleischspieße, zu denen uns Zwiebeln, scharfe Paprika, Rotkohl, Zitronen, Minze, Tomatenchutney, und gegrillte Tomaten gereicht werden. Das alles wickeln wir je nach Laune und Geschmack in papierdünnes Fladenbrot und lassen uns den Kebab schmecken.

Doch wir haben noch andere Kebab-Lieblinge, die einst regionale Kebabvarianten waren und es zu nationaler Berühmtheit gebracht haben. Berüchtigt ist vor allem der Iskender Kebab. Das Original wurde im 19. Jahrhundert vermutlich während einer kalten Nacht in Bursa, nahe Istanbuls, erfunden. Es ist die deftigste Kebabvariante überhaupt. In einem tiefen Teller schwimmen Lammfleisch und dicke Stücken Fladenbrot in einer Soße aus Joghurt, zerlassener Butter, gegrillter Tomaten und Paprika. Iskender Kebab liegt noch Stunden später schwer im Magen, ist aber so unglaublich lecker, dass eine potentielle Gewichtszunahme mit Achselzucken hingenommen wird.

Iskender Kebab

Iskender Kebab

Wem der Sinn nicht nach triefendem Fett steht, der sollte Kebab aus Adana, im Süden der Türkei, probieren. Traditionell wird Lammhackfleisch mit Salz, scharfen Chiliflocken und Paprika gewürzt und auf Spießen über Holzkohle gegrillt. Als Beilagen gibt es Fladenbrot, Tomaten, Peperoni, Rettich, Blattsalat und rote Zwiebeln. Adana Kebab ist die würzigste Kebabvariante der Türkei.

Adana Kebab

Adana Kebab

Nüchtern ist dagegen der Kebab aus dem nicht weit von Adana entfernten Urfa. Der dort beheimatete Kebab gleicht dem aus Adana, nur ohne scharfe Gewürze. Daneben gibt es Patlıcan Kebab – Kebabspieße mit Fleisch und Aubergine oder Tomatenkebab.

Urfa Kebab

Urfa Kebab

Patlıcan Kebab

Patlıcan Kebab

Tomaten Kebab

Tomaten Kebab

Wir laben uns an den verschiedenen Kebabgerichten. Egal ob Şiş, Iskender, Adana oder Urfa. Sie sorgen dafür, dass die türkische Küche ganz schnell eine Spitzenposition auf unserer kulinarischen Prioritätenliste einnimmt.

Wenn auch ihr Lust auf Döner, Kebab, Lahmacun, Köfte, Künefe, Pide, Gözleme, Mantı, Kokoreç, Ali Nazik, Menemen, Çiǧ Köfte, Kumpir, Humus, Bulgur, Baklava, Helva, Dolma, Börek und Kahvaltı, das berühmte türkische Frühstück habt, dann macht euch auf den Weg in die Türkei. Eure Geschmacksnerven werden es euch danken!

Wir danken Alltours für die Unterstützung dieses Artikels.


Und jetzt du! Schreib uns deine Geschichte.

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