Auf der Couch bei Oma Masa und Opa Mahmoud

Ardabil und die iranische Gemütlichkeit


17. Mai 2016
Iran
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Langsam schleicht der Verkehr neben uns her. Gleichsam mit unseren Schritten bewegt sich die Blechlawine; ohne Anfang und ohne Ende. Immer wieder geraten die Autos ins Stocken, bleiben auf dem feuchten Asphalt stehen. In diesen Momenten sind wir die schnellsten Verkehrsteilnehmer. Jeder unserer Schritte bedeutet Höchstgeschwindigkeit in diesem Schildkrötenrennen der Mechanik. Nichts geht voran. Dicke, schwarze Abgaswolken wabern unter den Fahrzeugen hervor, ziehen die Straße hinunter, weichen in die Seitengassen und lösen sich langsam im grauen Brei der Luft auf. Im erdölreichen Iran ist Benzin extrem billig, aber auch von schlechter Qualität und jetzt, mitten am frühen Nachmittag, gerät allerhand Schmutz ungefiltert in die Luft.

An einer Tankstelle mitten in Täbris neben der Schnellstraße in Richtung Osten bleiben wir stehen. Öliges Wasser schwimmt in kleinen Pfützen. Regenbogenfarben glitzern auf dreckigen, schmierigen Lachen. Neugierige Blicke beobachten uns von allen Seiten. Ein Tankstellenwart lädt uns zum Chai ein, doch wir lehnen dankend ab, wollen unsere Position nicht verlassen.

Trampen im Iran birgt ein paar Besonderheiten. Die augenscheinlichste ist die Handhaltung. Der ausgestreckte Daumen, das universelle Zeichen für das Reisen per Anhalter, ist im Iran nicht zu gebrauchen. Vielmehr ist der ausgestreckte Daumen genau das, was für uns der Mittelfinger ist – eine unschöne Geste.

Also versuchen wir mit diversen anderen Handbewegungen die Autofahrer auf uns aufmerksam zu machen, winken so aber nur Taxifahrer heran. Es ist verzwickt. Hält ein Privatauto, dann nur, weil der Fahrer sich nach dem Was und Warum erkundigen möchte und uns letztendlich doch empfiehlt, ein Taxi zu nehmen. Manchmal schlägt er auch vor, uns zum Busbahnhof zu bringen. Doch diese Angebote sind keine Optionen für uns. Dass wir per Anhalter unterwegs sind, kann niemand nachvollziehen. Viel schlimmer noch: Diese Art des Reisens ist gänzlich unbekannt und viele Iraner reagieren auf unsere Erklärungen lediglich mit fragenden Blicken und Unverständnis, bevor sie uns erneut Taxis und Busse ans Herz legen.

Wir harren aus und haben Glück. Ein älterer Herr, fein gekleidet im Anzug, nimmt sich unserer an. Weltmännisch lässt er seinen Wagen tanken, während er uns im perfekten Englisch Hilfe anbietet. Tatsächlich ist er der erste Iraner, der versteht, was wir hier machen und dem gleichzeitig auch die Schwierigkeit in der Kommunikation mit seinen Landsleuten auffällt. Doch schon nach ein paar Augenblicken hat er eine Idee, wie wir unsere Situation verbessern können. Über die Motorhaube seines Wagen gebeugt, schreibt er auf ein Stück Pappkarton, das er aus seinem Kofferraum zaubert, in persischen Lettern unseren Zielort Ardabil. Bereits nach wenigen Augenblicken schiebt er sein graues Haar, das ihm lockig ins Gesicht fällt, lässig zur Seite und präsentiert uns grinsend seine Arbeit. Mit einem Schild in Farsi ausgestattet, starten wir erneut und sind erfolgreich.

Aus der Masse der Karosserien biegt ein in die Jahre gekommener PKW ab. Etwas verbeult und zerkratzt bleibt er neben uns stehen. Hinterm Steuer sitzt ein freundlich lächelnder Mann. Mit Mitte 30 hat Mehdi kaum noch Haare auf dem Kopf, aber das beeinträchtigt weder sein freundliches Gemüt, noch seine Hilfsbereitschaft.

Ardabil, Iran

mit Mehdi verlassen wir Täbris in Richtung Osten

Gemeinsam fahren wir ins 55 Kilometer entfernte Bostanabad, wo wir uns an der Kreuzung nach Ardabil wieder voneinander verabschieden. In dem kleinen Ort folgen wir der Straße in Richtung Nordosten und werden vom Besitzer eines Gemischtwarenladens im Vorbeigehen zum Tee eingeladen. Unser kondensierter Atem weist uns bei einer Außentemperatur von nur etwas mehr als Null Grad Celsius darauf hin, dass wir dieses Angebot gerne annehmen können. Bei der winterlichen Kälte, die hier im nordwestlichen Zipfel des Irans herrscht, kommt uns eine kleine, wärmende Teepause ganz gelegen. Im winzigen Verkaufsraum sitzen wir hinter einem Gasofen. Dampfende Gläser mit dem dunklen, rötlich-brauen Chai werden vor uns abgestellt und im Nu füllt sich der Laden mit Schaulustigen, die uns alle freundlich beobachten. Wir sind die Attraktion eines kleinen Kundenzirkels im noch kleineren Geschäft.

Doch wir wollen weiter und verabschieden uns aus der familiären Runde wieder in Richtung Straße. Der Verkehr in Bostanabad ist bei weitem nicht so schlimm, wie in Täbris. Statt dunkler Abgase atmen wir klare, kalte Luft. Aus einem blauen Pick-Up heraus werden Mandarinen kiloweise am Straßenrand verkauft. Dahinter suchen wir uns eine geeignete Stelle und halten stolz unser persisches Schriftbild اردبيل in die Luft.

Ardabil, Iran

Mandarinenverkauf am Straßenrand

Ardabil, Iran

trampen in Bostanabad

So warten wir, bis Mohammad uns in sein Auto winkt. Der freundliche Mann mit den lebendigen Augen ist ein interessierter Zeitgenosse. Als Professor an einer Koranschule strahlt er eine derartige innere Ruhe und Selbstsicherheit aus, dass auch wir uns binnen weniger Minuten angenehm zurücklehnen. In Mohammads Gegenwart sind wir vollkommen unbekümmert. Während der gesamten Strecke – wir fahren etwa zwei Stunden gemeinsam bis nach Ardabil, tief hinein ins iranische Aserbaidschan – kreisen unsere Gespräche vor allem um den Islam. Wir sprechen sehr viel über Liebe und Toleranz und sehr wenig über Hass und Glaubenskrieg. Mohammads Prioritäten sind klar verteilt.

In der weiten, baumlosen Ebene, die wir durchfahren, nähern wir uns immer weiter dem Talysch-Gebirge, das zum nördlichen Ausläufer des Elbrus-Gebirges gehört. Die Vegetation ist eintönig, das Klima trocken. Schneebedeckte Gipfel glitzern in der Abendsonne. Dann sinkt der Feuerball hinter den Horizont und im gelben Licht der Straßenlaternen erreichen wir Ardabil.

Ardabil, Iran

mit Mohammad gelangen wir bis nach Ardabil

Wir treffen die Geschwister Shirin und Afshin, die uns zusammen mit ihrem Onkel Behnam an einer riesigen Kreuzung mitten in der Stadt abholen und uns ohne Umwege in die Wohnung des Opas bringen. Hier wartet schon die ganze Familie. Opa Mahmoud, Oma Masa, ihre Söhne Dariush, Ahmad, Behnam und Babak mit ihren Frauen Masoumeh, Golestan, Nooshin, Mahin und deren Kinder Sarah, Zahar, Shirin, Afshin, Dorsa, Arash und Koosha. Alle sind sie gekommen, um uns willkommen zu heißen.

Uns verschlägt es hingegen die Sprache. So viel Trubel haben wir nicht erwartet und so stehen wir etwas unsicher und hilflos mitten in der Familie, die sich behutsam um uns scharrt. Es dauert nicht lange und wir sitzen in Opas Wohnzimmer auf einem der Sofas, die sich entlang der Zimmerwände gegenüber stehen. Wie in den meisten iranischen Wohnungen ist das Wohnzimmer der wichtigste Raum der Wohnung. Es ist das größte Zimmer des Hauses und sozialer Treffpunkt der Familie. Von hier gehen alle weiteren Räume – Schlafzimmer, Küche und Bad – ab. Mit dem Planen eines Flures halten sich iranische Architekten scheinbar nicht auf. Die Haustür öffnet sich direkt zum Wohnzimmer.

Dicke Perserteppiche verschlucken die Schritte in einem Raum, der für seine Wichtigkeit recht spärlich ausgestattet ist. Langgestreckte, weiche Polstersofas und bequeme Sessel stehen neben niedrigen Beistelltischen. Die wenigen Möbel rahmen die Mitte des Raumes in der, auf dem Boden sitzend, in großer Runde gegessen oder beim Kartenspiel Zeit verbracht wird.

Auch wir sitzen nun auf einem der Sofas, während sich die Familie auf den umliegenden Möbeln und dem weichen Perserteppich verteilt. Gemeinsam knabbern wir an kleinen Gurken und trinken Chai, starken Schwarztee, der vor uns auf den Beistelltischen steht.

Tee, das haben wir bereits in Täbris gelernt, ist wichtiger Bestandteil der iranischen Kultur. Trifft man sich in Gesellschaft, sei es privat oder geschäftlich, dann gehört Teetrinken unweigerlich dazu. Egal ob in einem Teppichgeschäft auf dem Markt, im Büro, an der Raststätte oder in den eigenen vier Wänden – Chai ist immer servierbereit. Ist man mit Freunden verabredet, so geht man nicht ins Café, sondern ins Chaikhaneh, ins Teehaus. Gastgeber und Gast sind nach den Regeln der iranischen Gastfreundschaft eng an das gemeinsame Teetrinken gebunden. So ist der eine verpflichtet Tee anzubieten, wie der andere verpflichtet ist, den Tee zu trinken.

Ardabil, Iran

Blick auf Ardabil und die verschneiten Berge hinter dem See Shorabil

Iraner trinken ihren Tee schwarz und ungesüßt. Doch zu jeder Teerunde wird eine Schüssel mit Ghand –  Zuckerbrocken so groß wie Fingerkuppen – gereicht, durch die, zwischen die Vorderzähne geklemmt, der Tee gesogen wird. Vielleicht nichts, was Zahnärzte empfehlen würden, aber der süße Geschmack gibt der Anwendung recht.

Chai wird unser neues Grundnahrungsmittel. Oma Masa, eine kleine rundliche Frau mit fürsorglicher Ausstrahlung, ist stets darum bemüht, dass unsere Gläser voll sind. Schon am frühen Morgen hält die 80-jährige in ihrem Samowar brühend heißes Wasser bereit und erst spät in der Nacht hört es im Kessel auf zu brodeln. Oma Masa ist im Übrigen eine ehrwürdige Frau, nicht nur aufgrund ihres Alters. Zusammen mit Opa Mahmoud ist sie zur Hadsch, der heiligen Pilgerfahrt, nach Mekka aufgebrochen. Dem Islam zufolge ist jeder gläubige Moslem zu dieser Pilgerreise verpflichtet und darf sich anschließend mit dem Titel Hadsch schmücken. Darum wird Opa Mahmoud auch von allen in der Familie ehrfürchtig mit Hadsch Ara – Herr, der auf der Hadsch war – angesprochen. Oma Masa ist seit ihrer Pilgerreise Hadsch Khanum – Dame, die auf der Hadsch war – aber Oma Masa bleibt Oma Masa; die kleine Liebenswürdige.

Ardabil, Iran

Hadsch Ara und Hadsch Khanum beim Abendessen

Eigentlich sind wir ja zu Gast bei Afshin und Shirin, doch die meiste Zeit verbringen wir bei Oma und Opa auf der weichen, mit Blumenmustern bedruckten Couch. Das ist aber kein großer Umweg, denn wir alle leben im selben Haus. Opa Mahmoud ist Großgrundbesitzer. Ihm gehören nicht nur ein beachtliches Stück Land außerhalb der Stadt, sondern auch zwei Häuser im Zentrum Ardabils. Wir befinden uns im Erdgeschoss eines dieser Wohngebäude. Hier leben Opa und Oma, im Stockwerk darüber Afshin, Shirin und ihre Eltern Golestan und Ahmad, darüber Dariush, Masoumeh und deren Kinder Sarah und Zahar. Behnam und Nooshin, mit ihren Kindern Dorsa und Arash, wohnen nur ein paar Straßen weiter in Opa Mahmouds zweitem Haus. Hier leben auch Babak, Mahin und ihr Sohn Koosha. Es gibt auch noch einen weiteren Sohn, Biuk, der älteste. Doch Biuk, Student, Politaktivist und Demonstrant während der Islamischen Revolution, musste im Zuge der Machtergreifung der Kleriker das Land verlassen und lebt nun in Europa.

Dass Geschwister, Eltern, Kinder und Enkel in nächster Nähe zueinander leben ist im Iran absolut normal. Hier pflegen die Familien einen äußerst starken Zusammenhalt. Es ist nicht selten, dass mehrere Generationen zusammen unter einem Dach leben. Allein zu wohnen ist dagegen extrem unüblich, wie wir bereits von Fateme in Täbris erfahren haben. Unverheiratete Kinder verlassen das elterliche Haus nur, wenn sie aufgrund ihrer Ausbildung oder Arbeit in eine andere Stadt ziehen müssen. Das Bedürfnis nach Unabhängigkeit und dem eigenen Freiraum ist gesellschaftlich kaum anerkannt und wer als Mann alleine lebt, wird häufig für diese miserable Situation bemitleidet. Eine alleinlebende Frau wird dagegen mit viel Argwohn belastet. Warum ist sie nicht verheiratet? Warum hat sie keine Kinder? Das sind die üblichen verständnislosen Fragen.

Doch die starken Familienbande gründen nicht nur auf althergebrachten Traditionen. Die Familie hat darüber hinaus einen ganz enormen Nutzen: In einem Land ohne staatliche Unterstützung, ohne garantierte Grundsicherung ist die Familie der einzige vertrauensvolle Rückhalt. Hier kümmern sich Großeltern um Enkelkinder, Geschwister um ihre alternden oder kranken Eltern. Man legt zusammen, um ein Geschäft zu eröffnen oder eine Hypothek abzuzahlen. Auf die Familie ist Verlass. Im Iran ist Blut dicker als jede andere Flüssigkeit.

Ardabil, Iran

fesselndes 3D-Heimkino mit der Familie

Doch auch Familien spalten sich. Neben den vier Söhnen Dariush, Ahmad, Behnam und Babak, die noch ganz in der Nähe leben, hat Opa Mahmoud auch noch vier Töchter. Doch so wie seine vier Schwiegertöchter unter seinem Dach wohnen, leben seine eigenen Töchter bei den Familien ihrer Männer. Nach ihrer Hochzeit verlassen die Frauen das Elternhaus, vielleicht sogar die Stadt oder die Provinz und sind damit aus dem Blickfeld verschwunden. Sie brechen aus ihren sozialen Kontakten heraus, die sie nur noch sporadisch aufrechterhalten können.

Wie groß dieser Schnitt ist, verdeutlicht uns Opa Mahmoud ganz unfreiwillig. Als wir uns nach der Anzahl seiner Enkel erkundigen, zählt er nur die Kinder seiner Söhne, eben die Enkel, die bei ihm im Haus oder in seiner Nähe wohnen. Erst Oma Masa macht ihn darauf aufmerksam, dass seine Töchter noch einmal so viele Kinder haben wie seine Söhne.

Opa Mahmoud kommentiert diesen Zusatz mit verschmitztem Lächeln und Achselzucken. Überhaupt ist er eine ziemlich coole Socke. Mit der Gleichgültigkeit des Alters betrachtet er das stundenlange Gewusel in seinem Wohnzimmer. Die gesamte Familie geht hier ständig ein und aus, trifft sich zum Tee oder lässt die Kinder zur Aufsicht in den Händen der Großeltern.

Ardabil, Iran

auf der Couch mit Oma Masa und Opa Mahmoud

Auch wir hängen ständig bei Opa Mahmoud und Oma Masa rum, ohne jedoch ein einziges Wort mit den beiden zu sprechen. Uns fehlt die gemeinsame Sprache, denn nicht nur, dass die beiden Alten kein Englisch sprechen, sie sprechen darüber hinaus auch kein Farsi. Die lokale Sprache in Ardabil ist Azari, der türkische Dialekt der im Iran lebenden Aserbaidschaner.

Überhaupt ist Aserbaidschan gar nicht so weit entfernt. Bis zur Grenze in Astara am Kaspischen Meer sind es nur 77 Kilometer. Baku, die Hauptstadt Aserbaidschans, ist so weit entfernt wie Teheran. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass über den Fernseher im Wohnzimmer ständig aserbaidschanische Programme flimmern. Auch im Nachbarland ist ein Großteil der Bevölkerung muslimisch. Als Nachwirkung der ehemaligen Sowjetherrschaft sind die meisten Muslime jedoch säkularisiert und praktizieren ihren Glauben nur noch an religiösen Festen.

Frei von dogmatischen Zwängen ist dann auch das Fernsehprogramm. Frauen tragen keine Kopftücher, dafür aber enge Kleider und weil wir uns gerade in der letzten Dezemberwoche befinden, sitzt in jeder Sendung ein dicker, rot gekleideter Weihnachtsmann, der unaufhörlich Happy New Year in die Kamera wünscht. Egal zu welcher Tageszeit, egal welcher Sender: Der Weihnachtsmann ist immer da und die Wünsche zum Neuen Jahr ebenfalls. Der Unterschied zwischen Weihnachten und Neujahr verschwimmt in die Spielshows und Talkrunden zusehends. Selbst an den Weihnachtsfeiertagen wünscht der Mann in Rot nicht Merry Christmas, sondern, wie gewohnt, Happy New Year und auch die Moderatoren stimmen in die unpassende Floskel ein.

Den Abend des ersten Weihnachtstages verbringen wir in der Wohnung von Babak, Mahin und Koosha. Anders als das Wohnzimmer von Opa Mahmoud und Oma Masa, das in seiner biederen, von Brauntönen geprägten Bürgerlichkeit den Charme des Vergangenen in die Gegenwart rettet, ist Babaks Wohnzimmer eine Verheißung der Moderne. Indirektes Licht, gläserne Möbel, verschiedene Tapetenmuster. Babaks Wohnzimmer dient dem Vorzeigen, nicht dem Wohnen an sich und es fällt mir schwer mir Opa Mahmoud und vor allem Oma Masa auf Babaks weiß bezogener Couch vorzustellen.

Ardabil, Iran

Weihnachten in Ardabil

Weil ja Weihnachten ist und wir Gäste aus einem abendländischen Land, sollen wir „unser“ Fest auch feiern; so lautet die einhellige Meinung unserer Gastgeber. Es wird unser erstes Weihnachten in einem muslimischen Land – und was für eins! Uns fehlt es an nichts. Eine riesige Obstschale garniert den Esstisch. Snacks und Knabberkram, Gebäck, Datteln und Joghurt laden zum Naschen ein. Dann präsentiert uns Babak stolz zwei Flaschen schottischen Whiskeys. Schmuggelware aus dem Ausland und, da es im Iran mit der Prohibition ziemlich genau genommen wird, unverschämt teuer.

Unsere Geschenke unter dem imaginären Weihnachtsbaum überreicht uns Afshin in digitaler Form. Mit ein paar wenigen Einstellungen legt er sämtliche Soziale Medien zu unseren Füßen. VPN und Proxy-Server machen es möglich. Dass im Iran Facebook, Twitter und seines Gleichen verboten sind, hindert niemanden daran, diese Kanäle zu nutzen. Es ist ein Katz und Maus Spiel zwischen der Regierung und der Bevölkerung des Landes. „Die Regierung lässt sich immer neue Wege einfallen, um Webseiten zu blockieren – und wir finden immer neue Wege, um diese Sperren zu umgehen.“, grinst Afshin schelmisch.

Es sind Repressionen, die nichts bewirken und trotzdem jeden Einzelnen in Atem halten. Ähnlich erging es auch Babak vor wenigen Tagen, als ein paar Polizeibeamte die Satellitenschüssel an seinem Haus konfiszierten, weil damit verbotene Sender und staatsgefährdende Propaganda empfangen werden könnten. Doch als Konsequenz dieser Aktion bleibt nur, dass Babak sich eine neue Satellitenschüssel kauft.

Dann beginnt unsere Weihnachtsfeier on the rocks. Im Handumdrehen verspricht uns Shirin leckere Cocktails und steckt Kiwischeiben in mit Whiskey gefüllte Weißweingläser. Et voilà! Es ist nicht gerade das, was man grundsätzlich eine Trinkkultur nennen würde. Das Wissen über die Serviermöglichkeiten von Alkohol geht kaum über das hinaus, was es in Filmen zu sehen gibt. Und da schwimmt ja auch ständig Obst in irgendwelchen Flüssigkeiten. Uns ist das herzlich egal – der Zweck heiligt die Mittel. Wir stoßen mit Kiwi-Whiskey auf Weihnachten an und wünschen uns wie selbstverständlich ein frohes Neues Jahr. Wer wird schon kleinlich sein?

kunstvolle persische Architektur in der Safi-od-Din Moschee in Ardabil

Bald ist unser Blut verdünnt und wir tanzen, wie es sich für eine anständige iranische Party gehört, durch das Wohnzimmer. Zwischen uns wirbeln die kleinsten – Sarah (ein paar Monate), Dorsa (6 Jahre), Arash (10 Jahre) und Zahar (12 Jahre) – herum. Koosha, mit 15 Jahren stolz Träger eines flaumigen Schnurrbarts, ist unser DJ. Die Tanzfläche kocht, was vor allem an Dariush, dem jüngsten Brüder, liegt. Er ist ein auffallend guter Tänzer, der mit seinem Esprit alle anderen mitreißt. Doch irgendwann, relativ schnell sogar, zeigt der Alkohol auch seine vernichtende Seite. Des Trinkens nicht gewohnt ist es Afshin, der große, kräftige junge Mann, den es an diesem Abend als erstes dahin rafft. Auf dem Boden liegend ist er nicht mehr in der Lage sich zu bewegen und auch die anderen machen einer nach dem anderen schlapp. Irgendwann sitzen wir alle auf dem dicken Teppich verstreut. Eine große Familie am Ende einer lustigen Nacht.

So gemütlich es mit der gesamten Familie auch ist, irgendwann wollen wir raus. Raus aus dem Wohnzimmer und hinein in die Stadt. Ardabil ruft uns.

Die Stadt, ganz in der Nähe des Kaspischen Meeres, ist mit rund 480.000 Einwohnern etwa so groß wie Duisburg und auch etwa so bedeutend. Die Stadt ist da, sie tut niemandem weh, bleibt aber auch nicht länger in Erinnerung. Historisch gesehen, könnte Ardabil jedoch kaum wertvoller für die Geschicke des Landes sein.

Ardabil, Iran

Minarette der Safi-od-Din Moschee

Hier in Ardabil ist es, dass der Derwisch Safi-od-Din im beginnenden 14. Jahrhundert einen Sufi-Orden gründet, aus dem in späteren Jahren eine der größten persischen Herrscherdynastien hervorgeht: Die Safawiden. 200 Jahre nach der Gründung des Ordens regiert Ismail Safavi, ein Nachfahre Safi-od-Dins, ganz Persien. Bis hinein ins 18. Jahrhundert herrschen die schiitischen Safawiden über das Land.

Noch immer schmückt sich Ardabil mit den Bauten der einstigen Herrscherdynastie. Über den Baliqli Chay, den fischreichen Fluss, führen heute noch Brücken aus der Zeit der Safawiden. Die Pol-e Jajin ist mit ihren sieben Bögen die berühmteste von ihnen.

Das architektonische und kulturhistorische Herz der Stadt ist jedoch das Mausoleum Safi-od-Dins, das seit 2010 von der UNESCO als Weltkulturerbe gelistet wird. In diesem Komplex gründete Safi-od-Din einst seinen Sufi-Orden, hier lebte er mit seiner Familie und hier ließ er sich in einem Grabturm bestatten. Auch sein späterer Nachfolger, Schah Ismail Safavi, findet hier seine letzte Ruhe.

Heute ist das zylinderförmige Grabmal Safi-od-Dins aus dem Jahr 1334 ein bedeutender Pilgerort in der Region. Türkisfarbene Kacheln zieren die Außenwand des Gebäudes. Sie bilden ein immer wiederkehrendes geometrisches Muster, das das Wort Allah unendlich wiederholt.

Auch die dazugehörige Moschee und der Innenhof der Anlage zeugen von meisterhafter Handwerkskunst. Die Wände sind mit bunten Mosaiken in floralen Motiven geschmückt. Von weitem sehen die Verzierungen aus wie gemalt, doch bei genauerer Betrachtung sind die kleinen Sprünge, die schmalen Fugen, die bearbeiteten Scherben und die fein zusammengesetzten Formen klar zu erkennen. Die kunstvollen Mosaike gehören zu den herausragendsten Überbleibseln persischer Dekoration.

Ardabil, Iran

Grabmal des Sufis und Gründers der Safawiden-Dynastie Safi-od-Din

Ardabil, Iran

Moschee im Komplex des Grabmals

Ardabil, Iran

persische Dekorationskunst

Ardabil, Iran

Mosaik aus zerbrochenen Kacheln

Hinter dem Grabmal schlendern wir weiter durch die Stadt, hinein in das Gewirr der Gassen und Wege, vorbei an Edelsteingeschäften, Stoffverkäufern und Trockenobsthändlern. Offene Abwasserkanäle verlaufen zu beiden Seiten der Straßen, trübe Flüssigkeiten treiben darin umher. Wer die Straßenseite wechselt, muss auch an diesen Hindernissen vorbei. Oma Masa bewältigt sie mit einem Sprung, dessen Kühnheit uns staunen lässt. Die kleine, alte Frau ist noch immer fit.

Zwischen den Kanälen brausen gelbe Taxis durch die Straßen und verschwinden in den Hochhausschluchten der Moderne. Nachts strahlen Neonröhren und Werbebotschaften über den Asphalt und hüllen die Stadt in eine kühl leuchtende Fassade. Während des Tages ziert Ardabil dagegen die gleiche graue Monotonie, die man auch in Duisburg kennt.

An diesen Wintertagen um den Jahreswechsel ist es kalt. Der Gefrierpunkt wird hier auf 1.351 Höhenmetern nur für ein paar Stunden überschritten. Draußen auf der Straße vermissen wir bereits nach kurzer Zeit Omas dampfenden Chai.

Irgendwann stehen wir vor dem Basar, dem überdachten Markt Ardabils. Das Marktgebäude mit seinen Kuppeln, Bögen und braunen Backsteinmauern stammt ebenfalls aus der Zeit der Safawiden, ist aber, verglichen mit dem Basar in Täbris, eher winzig. Das Zentrum des Marktes ist zugleich das geografische Zentrum der Stadt. Von hier zweigen Gänge in vier Himmelsrichtungen und jeder Gang öffnet eine andere Welt. Da gibt es die Gewürzhändler, die schwere Leinensäcke voller Walnüsse, Datteln und Rosinen vor ihren Geschäften ausstellen oder die Schuhmacher und Sattler, die ihre Lederarbeiten feilbieten. Haushaltsgegenstände werden verkauft und Kleidung, Teppiche, getrocknete Fische aus dem nahen Fluss, Obst und Gemüse, prächtige Stoffe und atemberaubende Kleider. Hinter dicken Glasscheiben präsentieren Juweliere wertvollen Schmuck und feine Goldarbeiten.

Ardabils Markt ist eine kleine, feine Version des verwirrenden Labyrinths, dem Täbris` Markt gleicht. Hier ist es wesentlich entspannter; vor allem auch deshalb, weil viel weniger Menschen in den Gängen unterwegs sind. Doch das war nicht immer so. Babak, heute angesehener Arzt mit eigener Praxis, erzählt uns, wie er in seiner Kindheit mit seinen Brüdern über den Basar schlenderte, sich durch vollgestopfte Gassen drängelte, zwischen den Beinen der Erwachsenen hindurch schlüpfte. Damals war der Basar sein zweites Zuhause. Die Gerüche und Geräusche, die Geschäftigkeit der Handelstreibenden faszinieren ihn noch heute.

Ardabil, Iran

Trockenobst auf dem Markt in Ardabil

Ardabil, Iran

überdachter Markt in Ardabil

Ardabil, Iran

Babak ist auch heute noch immer gerne auf dem Markt in Ardabil

Meine Aufmerksamkeit erhascht hingegen ein ganz anderes Detail. Es ist das Porträt eines Mannes, welches beinahe in jedem Geschäft, in jedem Schaufenster zu sehen ist. Schon während unseres Spaziergangs durch die Stadt war es mir aufgefallen und auch hier auf dem Markt ist es omnipräsent.

Die grauen Haare und aufgedunsenen Wangen sind mir zwar neu, aber dennoch ist der Mann nicht zu verkennen. Ali Daei, Irans Rekordnationalspieler und Stürmerstar der Bundesliga aus der Jahrtausendwende. Das ehemalige Kopfballungeheuer ist ein Kind der Stadt und hier als Adler von Ardabil oder schlicht als Hubschrauber bekannt. Ich erinnere mich an Ali Daei bis heute vor allem, weil ihm der prächtigste Schnurrbart der Bundesligageschichte gehörte.

Überall in Ardabil ist man stolz auf den einstigen Ausnahmesportler, dessen Name sogar das städtische Fußballstadion ziert. Ali Daei ist dann auch immer ein gutes Gesprächsthema, kann doch jeder Bewohner der Stadt eine persönliche Geschichte mit dem Mann erzählen, der als einziger männlicher Fußballprofi mehr als 100 Länderspieltore erzielte (32 mehr als Pelé und 38 mehr als Miro Klose) und auch heute noch irgendwo in Ardabil wohnt.

Ardabil, Iran

Im Zentrum des Marktes in Ardabil

Ardabil, Iran

Kopftuchverkäufer auf dem Markt in Ardabil

Ardabil, Iran

Geschäft für Festtagskleidung und Spiegel

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Wir lassen Ali Daei und den Markt hinter uns und treffen uns am späten Nachmittag mit Afshin und Shirin in einem westlich anmutenden Café. Auf der Getränkekarte befinden sich mehr Kaffee- als Teesorten; ein eher ungewöhnliches Detail im teeverliebten Land. Die hölzerne Inneneinrichtung, die indirekten Lichter und schlichten Muster an den Wänden finden sich genauso in provinziellen Szenelokalen am anderen Ende der Welt wieder. Wir könnten auch irgendwo in der Rostocker KTV oder der Duisburger Innenstadt sitzen. Doch wir sind noch immer in Ardabil und der Besuch eines Cafés ist etwas Aufregendes. Grundsätzlich ist es nicht illegal in einem Café zu sitzen, aber der Reiz des Verbotenen liegt dennoch in der Luft. Als potenzieller Treffpunkt für Menschen unterschiedlichen Geschlechts sind Cafés stets verdächtigt, die Sitten zu verrohen. Die Polizei findet daher immer wieder Gründe Cafés wie dieses zu schließen, nur damit  kurze Zeit später ein neues Lokal in einem anderen Teil der Stadt eröffnet.

Unser Tisch ist der einzige, an dem zwei Geschlechter zusammensitzen. Die einheimischen Mädchen und Jungen, allesamt Studenten, die sich ebenfalls hier befinden, kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Ich weiß nicht, ob sie uns für besonders rebellisch oder besonders bescheuert halten.

Der private Kontakt zwischen den Geschlechtern ist etwas sehr Schwieriges im Iran. Nach der Scharia, dem islamischen Gesetz, ist es verboten sich mit dem anderen Geschlecht in der Öffentlichkeit zu zeigen, sofern es sich dabei nicht um den Ehepartner oder ein Familienmitglied handelt. Gerade deshalb gehört für iranische Jugendliche das gemeinsame Abhängen mit dem anderen Geschlecht zu den größten Sorgen. Parks und andere öffentliche Orte sind elementar in der Freizeitgestaltung. Hier können die Jugendlichen sich bewusst „zufällig“ über den Weg laufen, Blicke austauschen, kichern. Miteinander reden, sich berühren, Händchen halten ist dennoch ausgeschlossen. Dafür bedarf es der Heimlichkeit, geschützt vor neugierigen Blicken anderer.

Ardabil, Iran

mit Shirin und Afshin im Café

Afshin und Shirin erzählen, wie auch sie bereits mehrmals von der Sittenpolizei auf offener Straße verhaftet wurden, weil die beiden Geschwister zusammen unterwegs waren. In getrennten Verhören wurde die Beziehung der beiden zueinander von den Beamten überprüft, die Namen der Eltern, Onkel und Großeltern erfragt, die Richtigkeit der Wohnadresse sichergestellt. Erst als die Geschwister ihr Verwandtschaftsverhältnis bezeugen konnten, durften sie wieder auf freien Fuß.

Trotz staatlicher Repression ist Irans Jugend erfindungsreich. Der Trick geht so: Mädchen und Jungen schreiben ihre Telefonnummern auf kleine Zettel und während die einen in ihren Autos bestimmte Straßenzüge hoch und runter cruisen, spazieren die anderen ganz alltäglich auf den Bürgersteigen auf und ab. In einem unbeobachteten Moment tauschen sie durch die Fenster der Wagen ihre Telefonnummern und verabreden sich später zu heimlichen Treffen. So entstehen (Telefon-)Beziehungen, die in allem enden können und in nichts enden müssen.

Afshin verbringt viel Zeit damit, mit dem teuren Auto von Opa Mahmoud durch eben diese einschlägigen Straßen der Stadt zu fahren. Denn eines weiß er sicher: je schicker das Fahrzeug, desto größer die Erfolgschancen.

Der Iran überrascht uns in Ardabil täglich mit seinen Besonderheiten. Eine, bei der wir uns gehörig blamieren, ist Tarof – rituelle Höflichkeitsfloskeln rund um das Anbieten und Ablehnen von Gegenständen, Nahrungsmitteln oder Geld, die das gesellschaftliche Miteinander im Iran regeln.

Es passiert nicht selten, dass sich etwa ein Taxifahrer am Ende der Fahrt zunächst weigert den Fahrpreis anzunehmen. Der Kunde besteht dann darauf zu bezahlen, der Taxifahrer lehnt wieder ab. Das Ganze geht mindestens drei Mal hin und her, bis der Taxifahrer das Geld dann doch annimmt. Dieses Ritual wiederholt sich im gesamten Alltag der Iraner. Bei jedem Einkauf, bei jeder Bezahlung, bei jeder Dienstleistung.

Ardabil, Iran

in den Straßen von Ardabil

Ardabil, Iran

auf dem Markt für Gewürze und Küchenutensilien

Ardabil, Iran

Brotbäckerin mit Lehmofen nahe Ardabil

Traditionell ermöglicht es Tarof mit dem Gegenüber einfühlsam umzugehen. In erster Linie soll der Einladende das Gesicht wahren können. Gastfreundschaft ist so stark in der iranischen Kultur verankert, dass selbst Einladungen ausgesprochen werden, obwohl der Gastgeber gar nicht die Mittel hat, sein Gegenüber einzuladen. Dennoch muss er mit Nachdruck darauf bestehen, bevor er sein Angebot zurückziehen kann. Es ist also unabdingbar dieses kleine Spielchen mitzuspielen und ein Angebot mindestens zwei- oder dreimal abzulehnen, bevor man darauf eingeht.

All das wissen wir nicht, als wir uns in einem Frisörsalon der Stadt befinden. Der findige Mann, der mich frisiert, spricht etwas Englisch, was unsere Kommunikation enorm vereinfacht. Als das letzte Haar von meiner Schulter gestrichen ist und ich bezahlen möchte, lehnt der Frisör das Geld rigoros ab.

Vielmehr bedankt er sich dafür, dass ich seine Dienste in Anspruch genommen habe, erklärt mir, dass er froh sei, mich als Gast in seinem Land und seiner Stadt willkommen heißen zu dürfen und dass er deshalb auf gar keinen Fall Geld von mir verlangen könne. Das gehöre sich nicht gegenüber Gästen.

Verwirrt von dem bestimmten Auftreten des Frisörs und seiner Logik der Gastfreundschaft, stimme ich letztendlich zu. Schließlich möchte ich als guter Gast meinen Gastgeber auch nicht in die Verlegenheit bringen, seine Gastfreundschaft nicht ausführen zu können. Meine Logik ist ebenso verwirrend.

Wir verlassen den Salon ohne zu bezahlen und erzählen Afshin wenig später die merkwürdige Geschichte. Dieser wird merklich bleich, entschuldigt sich und eilt von dannen. Wir haben nie erfahren, wohin, aber nachdem wir über Tarof Bescheid wissen, sind wir uns sicher, dass er den Frisör an unserer Stelle bezahlte.

Ardabil, Iran

mit Afshin am Shorabil See im Süden Ardabils

Ardabil, Iran

Pol-e Jajim im Zentrum Ardabils

Unsere Zeit in Ardabil neigt sich dem Ende. Wir sitzen wieder im Wohnzimmer – diesmal bei Behnam und Nooshin – und essen zu Abend. Die iranische Küche bietet einige Köstlichkeiten und auch in Ardabil werden wir kulinarisch verwöhnt. Schon Opa Mahmoud hatte uns herrliche Kebabs im Hof seines Hauses gegrillt. Heute serviert uns Nooshin feines Zereshk Polo ba Morgh, Safranreis mit Berberitzen und gegrilltem Huhn. Dazu gibt es Auberginen, eingelegten Knoblauch und Dugh – ein mit Kohlensäure versetztes, iranisches Joghurtgetränk, das unserer Buttermilch nicht unähnlich schmeckt.

Da Familien im Iran traditionell groß sind, essen wir, wie in allen Ländern des Nahen Ostens üblich, auf dem Boden. Das spart Platz und ist auf dem weichen Perserteppich ohnehin viel gemütlicher. Eine große Plastikfolie, Sofre genannt, liegt vor uns. Sie dient als Unterlage für das Geschirr und schützt den wertvollen Teppich vor übermäßiger Verunreinigung.

Ardabil, Iran

köstliche iranische Küche

Wir lassen es uns schmecken und als wir nicht mehr essen können, reicht man uns Kuchen und eine prall gefüllte Obstschale, die im Iran niemals fehlen darf.

Schweren Herzens verlassen wir am nächsten Morgen Ardabil und unsere iranische Großfamilie. Oma Masa entzündet ein paar Blüten der Steppenraute und schwingt den leichten Rauch zum Abschied durch die Wohnung. Damit segnet sie die gesamte Familie, inklusive uns Reisende. Außerdem dürfen wir erst gehen, als wir ihr auf den Koran versprechen, dass wir eines Tages zurück kommen werden. Es gibt nichts, was wir lieber täten.

Ardabil, Iran

unsere iranische Großfamilie (unvollständig)


Und jetzt du! Schreib uns deine Geschichte.

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